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Wie verstehen wir Evaluation?

Das im Folgenden vorgestellte Konzept soll verdeutlichen, wie wir diese Ziele in unserer Seminarkultur konkret realisieren.

Die wichtigste Konsequenz, die sich aus den oben formulierten Zielen ergibt, ist, dass Evalu-ation zu internen Zwecken der Qualitätsentwicklung von Lernangeboten am Studienseminar genutzt wird. Es handelt sich nicht um ein heimliches Mittel der Personalentwicklung oder -kontrolle. Evaluation wird daher aus einer Perspektive der Organisationsentwicklung verstanden.

„Evaluation bedeutet hier in jedem Fall interne Evaluation, die als Bestandteil von Veränderungsstrategien zu sehen ist und auf einem Prozess beruht, dem ein von Beteiligten weitgehend gemeinsam getragenes Verständnis von Problemen oder Erfahrungen zugrunde liegt.“ (Buhren et al 2019, 18)

Der Begriff der Evaluation umfasst dabei eine Vielzahl an möglichen Maßnahmen (vgl. seminarspezifische Vereinbarungen und Absprachen), die im Sinne der Triangulation eine systematische und datenbasierte Wirksamkeit von Lernerfolgen anhand von unterschiedlichen Quellen ermöglichen sollen. Grundlegend ist daher eine „evaluative Grundhaltung“ der Lehrenden, die die möglichen Werkzeuge im Kontext der jeweiligen Ausbildungssituation lernförderlich auswählen und verlässlich integriert. Die Lehrperson übernimmt damit insbesondere im Kontext der doppelten Vermittlungspraxis eine wichtige Vorbildfunktion.

Unerlässliches Gegenstück zur evaluativen Grundhaltung der Lehrenden ist die selbstreflexive Haltung der Lernenden. Diese nimmt die Effizienz des eigenen Verhaltens im Hinblick auf Lernfortschritte und die aktive Nutzung von Lernangeboten differenziert in den Blick, betrachtet die eigenen Beiträge kritisch und führt zu einer eigenverantwortlichen und aktiven Lernhaltung, die zwischen eigenen und fremden Anteilen an der eigenen Ausbildung zu unterscheiden vermag.

Erst das Zusammenarbeiten beider Akteursgruppen, der Lernenden und der Lehrenden, ermöglicht die Entwicklung einer Evaluationskultur, die sach- und zielorientiert die Verbesserung der Ausbildung in den Blick nehmen kann.

Literaturhinweise

Buhren, Claus G. et al (Hrsg.): Handbuch Evaluation in Schule und Unterricht. Weinheim und Basel: Beltz 2019.
Hattie, John: Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren 2014.
Scholl, Daniel et al.: Wie kann die professionelle Reflexion von angehenden Leh-rer*innen digital gefordert werden? – Chancen und Grenzen neuer Tools in der Leh-rer*innenbildung. In: Reintjes, Christian und Kunze, Ingrid (Hrsg.): Reflexion und Reflexi-vität in Unterricht, Schule und Lehrer*innenbildung. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt 2022. S. 185 – 203.

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